Wertvoll Berlin - Ein Gespräch

Frau Lesinki, Ihr Slogan lautet „Wer Mode trägt kann auch Verantwortung tragen, was meinen Sie damit?

Für uns ist es wichtig, dass Konsumenten sich heutzutage damit auseinandersetzen wo Mode überhaupt herkommt und wo der Ursprung der Bekleidung ist, damit sie beim Kauf  Verantwortung für den eigenen Konsum übernehmen können. Es stellen sich Fragen wie: Woraus besteht die Kleidung? Ist sie fair produziert? Wie waren die Arbeitsbedingungen? Wenn man sich für ökologische und faire Produkte entscheidet, bedeutet es eine Stimme abzugeben, da durch die wachsende Nachfrage nach fairer Ware auch das Angebot steigt.

Würde der Titel des von Ihnen angebotenen Buches: „Mit shoppen die Welt verbessern“ es auf den Punkt bringen?

Genau....mit bewusstem Konsum die Welt ein Stück weit verbessern...

Wie entstand die Idee Ökomode, wie Sie sie ja selbst bezeichnen zu vertreiben?

Meine Partnerin und ich haben beide Modedesign studiert und im Modeeinzelhandel und bei diversen Designern gearbeitet. Der Ursprung der Idee liegt in der Übersättigung an der Schnellebigkeit der Mode, und in der Undurchschaubarkeit der Produktionsprozesse, die wir beide erlebt haben. Mittlerweile kommen 6-8 Kollektionen pro Jahr heraus. Daraus entsteht eine Art Wegwerfgesellschaft, die wir nicht vertreten möchten. Aus diesem Frust heraus haben wir mit dem Laden "Wertvoll" zum Ausdruck gebracht, wie man Mode  nachhaltiger gestalten kann.

Wenn man ihr Geschäft betritt, assoziiert man die Eigenschaften warm und natürlich aber auch modisch, frisch und gut geschnitten. Gerade letzteres reibt sich mit dem Klischee des Jutesackcliches. Grenzen sie sich da bewusst ab?

Ja, ganz bewusst! Es gibt ja gewisse Marken, die schon seit den 70ern und 80ern die Juteoptik verfolgen. Wir wollten zeigen, dass es okölogisch korrekte Mode gibt, die zugleich modern sein kann. Uns war es sehr wichtig ein Statement zu setzen: „Hört zu, ihr müsst nicht nur Leinensäcke tragen wenn ihr euch ökologisch bewusst und fair kleiden möchtet. Es gibt schon sehr, sehr viele schöne Sachen.“

Gerade dadurch, dass es keine offensive Nachricht nach außen trägt, ist es doch auch eine Art Understatement?

Ja, zum Beispiel kauft man sich bei uns einen schönen Pullover und weiß dann für sich, dass er aus korrekter Herstellung stammt und wird draußen nicht angesprochen: „Hey, in welchem Ökoladen hast du das jetzt gekauft…“ Der Kunde kauft bei "Wertvoll" einen Pullover mit einer Geschichte dahinter, die den Mehrwert des Produktes potenziert.

Sie sprechen den jungen oder junggebliebenen, modebewussten Berliner mit Idealen an. Sehen sie sich als Teil einer Entwicklung oder als Pionier?

Als Teil einer Entwicklung schon aber vor allem als Pionier. Wir waren hier in Berlin der erste Modeladen der konsequent ökologische und fair trade Produkte anbietet. In vielen Köpfen  dreht es sich beim Thema BIO und ÖKO eher um Lebensmittel, auch um die Automobilindustrie oder um Energietechnik aber in der Mode beginnt diese Entwicklung erst langsam bei den Konsumenten anzukommen.

Wie wichtig ist dabei Berlin und speziell das Lebensgefühl?

Berlin ist was Pionierarbeit und Offenheit für neue Themen angeht natürlich schon ein sehr guter Stantpunkt. Hier leben viele aufgeklärte, offene Menschen, viele Akademiker die schon sehr bewusst mit Lebensmitteln und auch mit der Umwelt umgehen, aber natürlich auch Menschen die es sich leisten können.

Wie exklusiv ist ihr Sortiment?

Wir bemühen uns um Produkte die bezahlbar sind. Im Sortiment finden sich auch T-Shirts für 19 Euro die fair & ökologisch sind. Da findet sich für jeden etwas.

Sind denn die viel beschriebenen lokalen Nachwuchsdesigner bei ihnen vertreten?

Wir bemühen uns soviele lokale Lieferanten wie möglich zu haben. Zum Beispiel slowmo, caro e., jovoo....etc.  Am liebsten hätten wir nur Designer aus Berlin und Deutschland, aber der Markt deckt das noch nicht ab. Derzeit haben wir bestimmt 4 -5 Berliner Designer, die auch in Berlin und Brandenburg produzieren, was wir fördern und worauf wir stolz sind.

Welche Rolle spielt für sie die saisonale Mode?

„Ausrichten an Trends“ wäre falsch gesagt. Wir möchten modisches anbieten, das nachhaltig getragen werden kann. Klar, gerade ist Strick modern weshalb wir Strickteile mit ins Sortiment aufnehmen aber nur, wenn man sie nächstes oder auch übernächstes Jahr noch tragen kann.

.....also dann eine eher klassische Linie?

Genau, nichts all zu ausgefallenes. Sachen die man kombinieren kann, mit dem was man schon im Schrank hat. Wir funktionieren jedoch in erster Linie als Modeladen, somit fehlt nie der Bezug zu aktuellen Trends.

Was wird zurzeit besonders oft gekauft?

Strick ist schon sehr gefragt! Wir haben gerade ganz schöne Strickjacken aus Baby-Alpaka-Wolle. Gefragt ist auch funktionale Bekleidung. Die Firma raffauf aus Deutschland macht beispielsweise Funktions-Outdoorjacken die mit Bananenfaser beschichtet sind und damit das Wasser abperlen lassen.

Wir bedanken uns sehr für dieses Gespräch

 

Wertvoll Berlin

Marienburgerstr. 39
10405 Berlin

www.wertvoll-berlin.com